Das Rad AG Reisetagebuch,
Zu Beginn des Schuljahres 24/25 entschied sich das Rad AG Team ohne zu zögern, erneut eine Radreise anzubieten. Die Strapazen der vergangenen Tour hatten sich inzwischen in nostalgische Erinnerung verwandelt. Eine Umfrage bei den SchülerInnen ergab, dass die mehrheitliche Mehrheit erneut in den Europa Park radeln wollte, anstatt den Bodensee zu umrunden.
Von den 20 Schülern und Schülerinnen, die sich anmeldeten, blieben 16 übrig, sechs davon waren schon im Vorjahr dabei. Schon in der Vorbereitungszeit gewannen wir großes Zutrauen in die Gruppe: mit denen würde es chillig werden- dachten wir, doch chillig wurde es dann überhaupt nicht. Dies lag aber nicht an den TeilnehmerInnen, sondern an den +/- 35 Grad, die für unsere drei Radfahrtage vorhergesagt waren.
So machten wir uns am Montag morgen entspannt und routiniert auf den Weg und gelangten ohne nennenswerte Herausforderungen über Schwetzingen und Speyer zum Erlichsee, wo Herr Gräf schon mit unserem Gepäck auf uns wartete. Die Nachmittagsstunden verbrachten wir im lauwarmen, ein wenig Linderung verschaffenden Badesee.
In den Abendstunden töteten wir gemeinschaftlich ein paar Werwölfe, auch einige Dorfbewohner mussten dran glauben. Okaiiiiiy, man muss erwähnen, das Amor besonders blutrünstig unterwegs war, aber eeeeegal. Hauptsache, man zeigt keinen Stinkefinger.
Als die rote Sonne im See versank, sanken unsere rot- sonnenbrandigen Körper auf die Isomatten. Was für ein elendsheißer Tag, dachten wir, doch wir sollten erst am Folgetag lernen, was wahre Hitze ist.
Am Dienstag schwangen wir uns früh auf unsere Fahrradsattel, bis auf einen von uns, der fuhr lieber im Stehen, da er den unbequemsten Sattel besitzt, den je ein Fahrradladen verkauft hat. Wir machten uns auf den Weg nach Germersheim. Es war noch früh, doch es war schon heiß. Die Zugfahrt nach Wörth gelang uns problemlos, so dass es schon bald weitergehen konnte durch die schöne französische Rheinebene bis hin zu unserem Picknickplatz. Unsere eiskalten Wasserreserven waren bald aufgebraucht, da alle paar Kilometer eine kleine Erfrischungsdusche angesagt war. Mit vereinten Kräften und guter Musik erreichten wir Herrn Gräf, der uns mit kalter Wassermelone und
anderen Leckereien verwöhnte.
Wir hatten bereits 42 Kilometer bei brütender Hitze hinter uns gebracht, doch 20 weitere lagen noch vor uns. Während sechs Schüler mit Herrn Cetti noch mal Gas gaben und pfeilschnell zum Campingplatz düsten, quälte sich die restliche Gruppe auf einem endlosen Deich , auf dem man sich wie auf einem Dönerspieß fühlte. Die Suche nach Schatten blieb lange erfolglos. Einer von uns hatte seine Haut mit viel Stoff vor der Sonne geschützt, das ersparte ihm zwar den Sonnenbrand, war aber auch nicht gerade angenehm. An der Nato- Rampe, auf der man keine Enten füttern darf und die sich ein wenig anfühlte wie eine Nahtod- Rampe, kauerten wir und auf 5 qm Schattenfläche zusammen. Mit der Idee, kurz die Beine zu kühlen, gingen wir zum Rhein, um im nächsten Moment, ohne groß darüber nachzudenken, einfach vollständig angezogen im Wasser zu liegen. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr unseren erhitzten Körpern, bis einer von uns in einem Kung Fu Panda- move sein Handy aus den Fluten rettete. Pitschnass fuhren wir weiter, doch nach 5 Minuten war wir schon wieder staubtrocken und heiß. Die schnelle Truppe empfing uns mit einem „Hoch auf uns“ und wir haben uns wohl nie zuvor so sehr auf ein erfrischendes Bad gefreut.
Nach dem Genuss einer Pizza am Abend tobten fast alle noch stundenlang auf dem Trampolin. Selbst der Angriff einer reudigen Töhle konnte uns nicht davon abhalten, Spaß zu haben. Auch an diesem Abend war es nicht schwer, die Nachtruhe ab 23 Uhr durchzusetzen. Heißer geht nicht, dachten wir, als wir erschöpft einschliefen, doch dann wurde es Mittwoch.
Zum Glück hatten wir am Mittwoch nur noch 42 Kilometer bis Straßbourg zu bewältigen. Mit jeglicher Form von Nässe, die uns auf dem Weg begegnete, wollten wir uns nass machen, auch wenn es ein lehmiger Dreckstümpel war. Es war super anstrengend, doch wir hielten durch, unterstützten
uns gegenseitig, waren füreinander da, meisterten jede Herausforderung, munterten uns auf, ertrugen geduldig vereinzelte Tobsuchtsanfälle und erreichten schließlich nach einer Bahnfahrt ohne Klimaanlage Rust. Wir radelten die letzten 6 Kilometer zum Europa Park, bis auf die Person, die ihr Rad am Bahnhof abgeschlossen hatte, ohne einen Schlüssel dabei zu haben- die durfte, in ihrem neongelben Tütü, Bus fahren.
Auch dieser Abend endete im Wasser und mit tiefsinnigen Gesprächen („Wenn du auf einen von beiden stehen müsstest, wer wäre das dann?“ „Senf ist männlich!“) Das Gewitter konnten wir zum Glück nur aus der Ferne beobachten, es ließ uns in Ruhe. Am Donnerstag durften wir bei angenehmen 25 Grad den Europa Park unsicher machen- ein hart erarbeitetes, wohl verdientes Vergnügen.
In vollen Zügen fuhren wir am Freitag nach Hause.
